Stellungnahme zum NOZ-Artikel

30.03.2022

Stellungnahme zum NOZ-Artikel vom 30.03.2022 „Angehörige enttäuscht von Pflegeheim“

Mit großem Unverständnis haben wir den Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung zur Kenntnis genommen, daher einige Klarstellungen:

Corona-Situation, Stand 30.03.2022:

Die Lage hat sich deutlich entspannt, es waren am Montag noch 10MitarbeiterInnen „Corona-positiv“. Bei den im Artikel benannten 18 MitarbeiterInnen handelte es sich um die Gesamtzahl der Infizierten Pflegemitarbeiterinnen, von denen sich einige bereits wieder „freitesten“ konnten.

Wie im NOZ-Artikel vom 23.03.2022 beschrieben, weisen die BewohnerInnen keine schweren Symptome einer Corona-Infektion auf. Schwere Symptome zeichnen sich durch typische Infektionssymptome (z.B. Fieber, Husten, außergewöhnliche Mattigkeit, Atemnot) aus, die eine ärztliche Behandlung erforderlich machen. Dieser Zustand hat sich seit dem 23.03.2022 nicht verschlechtert.

Insbesondere möchten wir Stellung zu den Anschuldigungen der Angehörigen Frau Hehemann beziehen:

Ihr Vater zog am Freitag, 16.07.2021 nachmittags in unsere Einrichtung ein. An diesem Tag stand sein Wohnhaus im Vollbrand und war unbewohnbar. Es wurde seitens der Gemeindeverwaltung dringend eine Unterbringung für den schwerstpflegedürftigen Herrn gesucht. Das Sankt-Anna-Stift war zu dem Zeitpunkt vollbelegt. Trotzdem leisteten wir unbürokratische Nothilfe und statteten ein bis dahin als Pflegebad genutztes Zimmer mit einem Pflegebett und weiterem Mobiliar aus, um einen Einzug zu ermöglichen.

Der Bewohner lebte sich (insbesondere nach seinem Umzug in ein reguläres Bewohnerzimmer am 19.07.2021) gut ein.

Am 09.03.2022 wurde der Bewohner positiv auf das Corona-Virus getestet (an dem Tag lag die 7-Tages-Inzidenz für den LKOS bei 1247). Der Bewohner musste sich (wie es die Anordnungen des Gesundheitsdienstes verlangen) umgehend in Quarantäne begeben.

Eine Kontaktverfolgung zur Klärung des Übertragungswegs wurde unternommen, jedoch konnte trotz diverser Testreihen kein konkreter Zusammenhang hergestellt werden.

Alle MitarbeiterInnen absolvierten zu dem Zeitpunkt tägliche Tests. Die Einhaltung aller Hygienemaßnahmen wurde uns mehrmals von offizieller Stelle bestätigt.

Dem Bewohner wurden mindestens täglich Telefonate mit seinen Angehörigen ermöglicht, die er ohne Hilfe nicht hätte durchführen können.

Einzelbetreuungsangebote von ausgebildeten Betreuungskräften wurden ebenso durchgeführt, wie auch „Fensterbesuche“ (Bewohner wurde mit dem Rollstuhl zum Fenster mobilisiert, um seine Angehörigen zu sehen).

Am 17.03.2022 verstarb der Bewohner in unserer Einrichtung. Auch an dieser Stelle sprechen wir den Angehörigen erneut unser herzliches Beileid aus.

An dem Morgen wurde er wie gewohnt aus dem Bett in den Rollstuhl mobilisiert. Hierbei kollabierte der Bewohner und die anwesenden Pflegefachkräfte stellten den Herzstillstand fest. Umgehend wurde mit Reanimationsmaßnahmen begonnen und der Notarzt wurde alarmiert.

Dieser wies die MA nach Einsicht in die Diagnoseliste (u.a. schwere Herz- und Lungenerkrankungen) an, die Reanimationsmaßnahmen zu beenden.

Die Todesursache war laut Totenschein und Aussage des Hausarztes ein Herz- Kreislaufversagen.

Die Aussage der Frau Hehemann, dass die Todesursache „ganz klar“ eine Lungenembolie infolge der Corona-Infektion sei, ist folglich nicht korrekt. Gleichzeitig ist dieses auch nicht auszuschließen.

Die MitarbeiterInnen informierten die Angehörigen umgehend über den Tod des Vaters und luden sie (trotz eines behördlich angeordneten Besuchsverbots für den Wohnbereich) ein, sich von ihrem Vater im Bewohnerzimmer zu verabschieden. Kurze Zeit später trafen die Angehörigen ein. Ihnen wurde seitens der MitarbeiterInnen herzliches Beileid ausgedrückt und die dramatische Situation vom Morgen beschrieben. Die Angehörigen wurden mit Kaffee und Gebäck versorgt und sie konnten sich in Ruhe verabschieden.

Zudem wurde am späten Nachmittag vier Enkeln ermöglicht, sich im Sankt-Anna-Stift von ihrem Großvater zu verabschieden, da wegen der Coronainfektion eine Aufbahrung im Bestattungshaus oder der Friedhofskapelle ausgeschlossen war.

Insbesondere die Tochter Frau Hehemann bedankte sich anschließend ausdrücklich für die gute Betreuung und Versorgung ihres Vaters. Als dieser am Folgetag vom Bestattungsinstitut abgeholt wurde, begleitete sie den Sarg zum Leichenwagen und bot auf dem Wohnbereich für die Zukunft ihre ehrenamtliche Hilfe an.

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Die beteiligten MitarbeiterInnen sind teilweise fassungslos ob der erhobenen Anschuldigungen. Unsere Einrichtung legt einen besonderen Wert auf die Begleitung von sterbenden Menschen und ihren Angehörigen. Seelsorgerische Angebote sind (auch in der Corona-Zeit) jederzeit verfügbar und werden ständig durchgeführt.

Wir wünschen uns ein gutes Miteinander mit den BewohnerInnen und Angehörigen und freuen uns über das Vertrauen und die vielen positiven Rückmeldungen von allen Seiten, die uns Kraft und Durchhaltevermögen für die Bewältigung der durchaus schwierigen Aufgaben in der Altenhilfe geben.

Für das Sankt-Anna-Stift

Florian Schönhoff

Einrichtungsleiter, Geschäftsführer

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